Volkssportbewegung

Die Geschichte des Volkssports

Mit dem Volkslauf fing damals alles an...

Am 13. Oktober 1963 fand in Bobingen bei Augsburg der 1. Internationale Volkslauf "moderner Art" statt. Insgesamt 1.654 Teilnehmer aus allen Altersgruppen liefen oder marschierten damals im Naturpark Augsburg – Westliche Wälder hügelige Strecken zwischen 800 Metern und zwölf Kilometern. Diese Bewegung kam aus der Schweiz über die Grenze nach Bayern und wurde vom Deutschen Leichtathletikverband (DLV) in Richtlinien gefasst.

Der Volkslaufwart des DLV, Herr Otto Hosse aus Bobingen, war es, der mit seinem Verein die erste Veranstaltung dieser Art ausrichtete. Es war der Grundstein zu einer Sportbewegung, deren heutige Ausmaße niemand der damals anwesenden Teilnehmer auch nur im Entferntesten hätte erahnen können.

⏱️ Das historische Reglement des DLV

Der DLV hatte diese Sportart in Klassen mit Sollzeit eingeteilt. An einem Veranstaltungstag fanden vormittags die Lauf-Wettbewerbe und nachmittags die Geher-Wettbewerbe statt. Die Klassen wurden nach Altersgruppen unterteilt und mit einer entsprechenden Sollzeit versehen.

Die Medaillenvergabe erfolgte nach einem strengen Schema: Der Erste jeder Klasse bekam die Medaille in "Gold", weitere 5 % bis 10 % der Teilnehmer die Medaille in "Silber mit Goldrand" und der Rest innerhalb der Sollzeit die Medaille in "Silber". Wer die Sollzeit auch nur um eine halbe Minute verpasste, ging völlig leer aus. Dennoch schlug diese neue Sportart ein – die Menschen waren begeistert von der Bewegung in der Natur.

Im Jahr 1965/66 stand der Volkslauf im süddeutschen Raum bereits in seiner höchsten Blüte. Doch gerade während dieser Zeit wurden die kritischen Stimmen der Teilnehmer immer lauter. Es ging ihnen sehr gegen den Strich, dass sogenannte "Zweitklasse-Leichtathleten" – die für erste Plätze bei Wettbewerben auf leichtathletischer Ebene nicht mehr gut genug, aber aufgrund ihres Trainings der breiten Masse weit überlegen waren – die vordersten Plätze unter sich ausmachten. Es war für einen "Normalvolksläufer" kaum möglich, jemals eine Goldmedaille zu erringen. Man kannte die ersten Platzierten bereits namentlich, da sie von Ort zu Ort fuhren und die Medaillen "absahnten".

Als zweite negative Erscheinung erwies sich die Klasseneinteilung. Immer öfter hörte man Familien sagen: "Ja, wenn wir alle zusammen über die Strecke gehen könnten – Vater, Mutter, Kinder und eventuell auch noch der Opa –, dann würden wir auch mitmachen! Aber so, jeder in einer anderen Klasse und zu einer anderen Zeit - das macht keinen Spaß!" Die Startzeiten rissen Familien auseinander und nahmen vielen schnell die Lust.

Doch dann geschah etwas, was zum gewichtigsten Gegenargument wurde: In heißen Sommern, wie z.B. 1967, häuften sich Fälle, in denen untrainierte Teilnehmer mit einem Kreislaufkollaps zusammenbrachen, weil sie ihre Kräfte über 10 oder 20 Kilometer völlig überschätzt hatten. Als es 1967 sogar zu den ersten Todesfällen kam, brachte dies einen spürbaren Teilnehmerschwund.

Zu dieser Zeit gingen aus der Bewegung Männer hervor, die forderten, Sollzeiten und Klasseneinteilungen komplett abzuschaffen. Allen voran stand Walter Franz aus Oberstimm bei Ingolstadt. Er wollte der Bevölkerung die Möglichkeit geben, ohne Zeitdruck im Nacken und zusammen mit der ganzen Familie auf die Strecke zu gehen. Eine letzte Aussprache mit dem DLV scheiterte jedoch, da dieser nur Veranstaltungen mit sogenannten "Zeitmaschinen" gestattete.

Der Internationale Volkssportverband wird gegründet

In der Nordschweiz, in Liechtenstein, Süddeutschland und kurz darauf auch in Österreich entschlossen sich Ende 1967 / Anfang 1968 viele Vereine zu Volkswanderungen – damals in Deutschland von den Verbänden oft noch als die "Wilden" bezeichnet.

📅 14. Januar 1968 Gründung des IVV in Lindau am Bodensee

Die Vereinsvorstände von 15 Vereinen aus Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein waren anwesend. Walter Franz wurde zum ersten IVV-Präsidenten gewählt. Aus den anfänglich 20 Vereinen wurden bis Ende 1968 bereits rund 60.

Mit der Erweiterung des Präsidiums wurde auch die Einführung eines gemeinsamen Abzeichens beschlossen. Die Landesfarben der vier Gründungsländer (Bundesrepublik Deutschland, Schweiz, Liechtenstein und Österreich) wurden auf dem ersten IVV–Emblem festgehalten. 1969 tauchten die ersten Wertungshefte, Abzeichen und Stoffaufnäher auf. Verbandszweck war es, eine echte Alternative zum Volkslauf zu schaffen und die breite Masse zur ungezwungenen Bewegung in der freien Natur zu animieren.

📅 15. November 1970 Gründung des Deutschen Volkssportverbandes (DVV)

Gegründet in Scheyern (Bayern). In der Bundesrepublik hatte sich die Idee des IVV-Volkssports am schnellsten ausgebreitet. Ende 1969 zählte der Verband bereits rund 450 Vereine in vier Ländern, wobei der DVV zum größten Mitgliedsverband im IVV heranwuchs.

 

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